Nah am Menschen

Katholische Kirche in Ludwigsburg zieht an den Marktplatz

Die Katholische Kirche Ludwigsburg geht neue Wege: Direkt am Marktplatz soll ein Ort entstehen, an dem die Kirche zu den Menschen kommt. Gastfreundschaft, Information und Seelsorge – das sind die drei zentralen Angebote, die es im neuen „Haus der katholischen Kirche“ geben wird: Ein Bistro, wo jedermann vom Frühstück bis zum Abendimbiss etwas findet, das Pfarrbüro der Dreieinigkeitsgemeinde und eine Infotheke, sowie neue Formen von Angebot und Beratung. Das alles soll es unter einem Dach geben und für jeden offen stehen.

Mit der Anmietung der Räume des ehemaligen „Eberhard Ludwig“ am Marktplatz 5, beginnen die Kirchengemeinden damit ein völlig neues Konzept für die Zukunft der Kirche. Schon Anfang Juni will die Katholische Kirche zusammen mit einem Partner aus der Gastronomie am Marktplatz starten. Hierfür konnte der erfahrene Gastronom Andreas Rothacker gewonnen werden, der in den gleichen Räumlichkeiten das Bistro „wunderBar“ eröffnen wird – er war schnell begeistert von dieser neuen und reizvollen Zusammenarbeit. „Wir wagen damit ein Experiment und sind gespannt, wie es angenommen wird“, freut sich Daniel Noa, der 2. Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde.

Den Mut für das Experiment geben die positiven Erfahrungen der Offenen Kirche in der Dreieinigkeitskirche. Ein Team von ehrenamtlichen Frauen und Männern entwickelt dort unter der Federführung von Diakon Gebhard Altenburger seit Jahren Formen, wie Kirche näher zu den Menschen und ihren Bedürfnissen kommt. Das bisherige Kirchen-Café und die Gesprächsangebote in der Kirche haben ein neues und verändertes Profil von Kirche entwickelt. „Wir wollen den Menschen zunächst einfach mal zuhören und für sie da sein“, so Altenburger. Diese gelungenen Ansätze sollen nun im neuen „Haus der katholischen Kirche“ fortgeführt und ausgebaut werden.
Diakon Altenburger sieht darin „das Konzept für die Zukunft von Kirche insgesamt“. Das Ziel ist ambitioniert: Als Kirche am Marktplatz einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen aus allen Lebensbereichen der Stadt gleichermaßen heimisch fühlen.

Damit reagiert die Kirche auf Entwicklungen und Veränderungen der letzten 30 Jahre: Menschen denken, leben und glauben heute anders. Die traditionellen Formen von Gemeinde und Gottesdienst verändern sich, viele fühlen sich von den klassischen Angeboten der Kirchen nicht mehr angesprochen. So geht der Blick auch auf die Menschen, die nicht mehr wie selbstverständlich zum Kern einer Kirchengemeinde gehören. Die Kirche will sich auf den Weg machen und präsent sein, wo Menschen sind; konkret am Marktplatz, dort wo Menschen sich im Alltag bewegen.

Im Mittelpunkt wird eine offene Anlaufstelle stehen. An einer Infotheke als Schaufenster zur Welt, stehen Menschen, die für andere ein offenes Auge und ein offenes Ohr haben. Neben allen gängigen und praktischen Fragen, die Kirche beantworten kann, wird es auch geschulte Haupt- und Ehrenamtliche geben, die für die Menschen da sind.

Erfahrungen aus der Jugendkirche in Ludwigsburg zeigen, dass es wesentlich ist, dass sich die Menschen erst einmal nur willkommen fühlen. Dazu wird es einen Bereich geben, in dem man sitzen kann ohne zu konsumieren und Gäste auch durchaus zu einer Tasse Kaffee eingeladen werden. Alles andere kann sich dann ergeben.

Die Mitarbeiter der Kirche sind überzeugt, dass diese neuartige Kombination von Gastronomie und unverbindlichem Angebot spannend werden kann. Keinesfalls wird sich die Gastronomie zu einem versteckten Ort der Missionierung entwickeln. Altenburger sagt dazu: „Wir sind einfach da, wo die Menschen sind. Wenn sie wollen, finden sie hier jemanden, der einfach zuhört – das allein kann schon sehr heilsam sein.“ Geplant ist auch, das gastronomische Angebot zu bereichern durch kulturelle Veranstaltungen wie Improvisationstheater, Poetryslam oder Wohnzimmerkonzerte.

Der Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde, Pfarrer Sven Salwiczek zeigt sich glücklich darüber, dass es möglich wurde, sich auf diesen gemeinsamen Nenner innerhalb der Stadt zu einigen. So wird die Dreieinigkeitsgemeinde in enger Zusammenarbeit mit der Katholischen Gesamtkirchengemeinde das Haus Stück für Stück entwickeln und ausbauen.

Ansprechpersonen für weitere Informationen:
Diakon Gebhard Altenburger, Tel.: (07141) 921803, email: GAltenburger@hl-dreieinigkeit.de
Pfarrer Sven Salwiczek, Tel.: (07141) 70208930, email: s.salwiczek@kath-kirche-lb.de