Kreuzwegimpulse

Station 1: Palmsonntag

Schräge Typen sind „in“. Sie fallen auf, sie polarisieren, sie faszinieren die einen und wirken abstoßend auf andere. Wir kennen das aus Castingshows, vielleicht aus dem Schul- und Berufsumfeld, selbst in der Politik gibt es Menschen, die durch ihr Auftreten auffallen. Der ist voll cool, der hat was an der Waffel, die ist eine krasse Außenseiterin, weil sie sich um andere kümmert, die ist ne total angesagte Influencerin, die täglich mit neuen Schminktipps meine Timeline bei Insta füllt…

Ja, hochgejubelt ist man schnell – fallen gelassen noch schneller. Wenn man nicht ins Schema passt, ist man schnell weg – im Sport, der Musik genauso wie im Leben…

Und das gabs wohl schon immer: Auch Jesus wurde bejubelt und wie ein König gefeiert – weil er so nah bei den Menschen war, sich um die Armen und Kranken gekümmert hat, weil er den Blick für sie hatte und vor allem eine Hoffnung verkündet hat, die über alle Hoffnungslosigkeit hinaus geht – die Hoffnung auf das Reich Gottes.

Für andere, vor allem die Einflussreichen, war er ein Freak, ein Störer – denn das Motto: Der Stärkere gewinnt immer – das passt nicht zu Jesus und seiner Botschaft. Ebenso wenig wie sein Auftreten: Er kommt auf einem Esel in die Stadt geritten – ein König, der auf einem Esel reitet, wo gibt’s denn sowas?!Warum gerade ein Esel? Pferde gabs doch sicher auch genug, die er hätte nehmen können? Ein Esel wird in der Regel als stur und störrisch bezeichnet. Auch den Ausdruck „Du dummer Esel!“ kennen wir. Aber der Esel hat in der Bibel eine andere Bedeutung. Er ist ein Last- und Reittier. Er ist ein wertvoller Besitz. Im Gegensatz zum Esel ist ein Pferd ein Symbol für den Krieg und Macht und puren Reichtum. Der Esel symbolisiert den Frieden und ist deshalb auch das Reittier dieses Königs. Der Esel ist stark mit der Lebensgeschichte Jesu verbunden. Für uns gehört der Esel zu der Weihnachtskrippe dazu. Ochs und Esel stehen nicht als schönes Bild in der Krippe, sondern als Mahnung. Dieses Bild hat seinen Ursprung beim Propheten Jesaja. Der Ochse und der (dumme) Esel erkennen den Herrn in der Krippe. Aber was ist mit uns Menschen? Erkennen wir ihn? Im Stall steht die Welt Kopf. Keiner der Menschen bemerkt die Geburt von Jesus. Nur der Ochse, der Esel und die Hirten, die am Rande der Gesellschaft stehen, erkennen die Herrlichkeit Gottes.Nun, wenige Tage vor der Kreuzigung, kommt der Esel wieder in Erscheinung. Jesus reitet in Jerusalem ein. Gerade der Esel passt hier zu der Botschaft Jesu. Gottes Reich soll ohne Gewalt und Krieg durchgesetzt werden – sanftmütig aber mit großer Kraft. Mit Jesus kann man wirklich Lasten bewegen.Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein, die Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, heute würde man einen roten Teppich ausrollen. Auch würden wir keine Zweige von den Bäumen reißen, sondern mit Fahnen winken und ihn verehren.

Gebet:

Jesus, Du bist damals in Jerusalem eingezogen, wie ein König. Die Menschen haben gejubelt, gesungen und sich über dich gefreut.
Mit Tüchern und Palmzweigen haben sie dich begrüßt. Auch wir denken an dich und zeigen dir, dass wir an dich glauben und du für uns wichtig bist. Sei gerade jetzt bei uns und schick uns ganz viel Kraft und Hoffnung. Amen.

Aber lassen wir den Esel doch selbst zu Wort kommen:

Iaaahh!!
Wisst Ihr, wer ich bin? – Graufell mein Name
und ich kann euch sagen, ich bin ein ganz, ganz, ganz besonderer Esel! Denn, stellt euch vor, JESUS ist auf mir geritten! Das ist zwar schon ein paar Jährchen her, aber ich will euch trotzdem davon erzählen!
Ich war also vor unserem Haus und knabberte an ein paar dürren Halmen herum, da hörte ich, wie ein paar Männer mit meinem Chef verhandelten. Und der hat mich so einfach eben mal an diese Leute ausgeliehen! Kurzerhand packten die meinen Strick, den ich um meinen Hals hatte, und führten mich weg. Als ich immer noch überlegte, ob ich einfach bockig stehen bleiben sollte, da stand er plötzlich vor mir: JESUS! Er kraulte mich am Kopf, sprach beruhigend auf mich ein und setzte sich auf meinen Rücken. Und dann ging’s los. Wir zogen nach Jerusalem. Schon vor dem Stadttor standen unglaublich viele Menschen am Straßenrand. Sie winkten mit Palmzweigen, breiteten ihre Umhänge auf dem staubigen Weg aus und jubelten uns zu. Es war unglaublich! Jesus wurde wie ein toller König begrüßt. Die Menschen fanden ihn einfach super! ABER – nicht alle! Mit der Zeit änderte sich die Stimmung. Ich habe genau gespürt, dass uns einige Leute und auch Soldaten schief angeschaut haben. Und dann ging alles ganz schnell…Gerade noch hab ich die ganzen Lebensmittel für das Essen mit seinen Freunden von mir abladen lassen, kamen auch schon fast die Soldaten und haben Jesus verhaftet und gekreuzigt. Iaaahh! Jetzt denkt ihr wohl, dass die Geschichte mit Jesus zu Ende ist. Denn wenn jemand stirbt, dann ist normalerweise alles vorbei. ABER – da habt ihr euch getäuscht! Bei Jesus war das anders! Er ist Gottes Sohn und hat mit Gottes Kraft den Tod besiegt. Er ist auferstanden. Er will euch mit seinem Weg Hoffnung schenken. Bitte glaubt daran, dass aus Traurigkeit wieder Freude werden kann. Habt Mut und gebt nicht auf. Bei Jesus können wir lernen, dass man dunkle Zeiten durchstehen kann. Macht’s gut und vergesst mich nicht.

Euer Graufell, der ganz, ganz, ganz besondere Esel

Gott erfülle unser Leben mit Kraft,
dass wir Niederlagen hinnehmen können, ohne aufzugeben;
dass wir leiden können, ohne zu zerbrechen;
dass wir mit offenen Fragen leben können, ohne die Hoffnung preiszugeben,
dass wir seine Gegenwart feiern und unser Leben annehmen.
Es segne uns der Gott des Lebens…

Impuls zur 2. Station: Letztes Abendmahl

Lied: Basis: „Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte“ (1998)

Was wär, wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, was wär dann?
– Am letzten Tag würd‘ ich mit Sicherheit nicht zur Schule gehen
Warum mich ärgern lassen Von Lehrern, die mich nicht verstehen
Stattdessen will ich meinen Ex-Freund nicht vergessen
Wir haben noch ’ne Rechnung offen
Ich werd‘ ihn richtig stressen
– Ich würd‘ mit meinen Jungs eine kleine Tüte bauen
Es gäbe keinen Grund, die letzten Stunden zu versauen
– Verhaun ham‘ wir oft genug den Typ, den alle fertigmachen
Ich würd‘ ihn einladen und nicht über, sondern mit ihm lachen
Refrain:
Wenn ich nur noch ein
Wenn ich nur noch einen Tag
Wenn ich nur noch ein
Wenn ich nur noch einen Tag
Zu leben hätte, ah, ah
Was würd‘ ich tun, was würd‘ ich tun?
Was dann, was dann?
– Ich würd‘ gern mit Michael J. um ein paar Körbe spielen
– Und um mein letztes Taschengeld mit meiner Mutter deal’n
– Ich würd‘ noch einmal Klamotten kaufen gehen
Damit lass‘ ich mich dann auf meiner letzten Party sehn
– Den letzten Tag will ich mit meinem Freund verbringen
[…]
Refrain (2x)
Was dann, was ist denn schon so’n Tag?
– Ich würd‘ ne Party geben und feiern bis zum Schluss
Will nochmal fett abgehn bevor ich weggehen muss
Doch was für’n Stuss
Das alles macht mich froh
Warum leb’ich dann nicht immer so, immer so?
Was würd‘ ich tun, was würd‘ ich tun?
Refrain
Was ist denn schon so’n Tag?

Dieser Frage muss sich Jesus auch stellen. Was will er noch tun, bevor er stirbt?
Er will mit seinen Freunden sein, mit ihnen essen – er will die Freundschaft spüren und nochmals genießen, miteinander Zeit zu verbringen. Und er nutzt diese Zeit, um ihnen zu sagen, was ihm wichtig war und ist – auch wenn nicht alles gleich verständlich ist.
Das ist mein Leib, das ist mein Blut – nur so erhaltet ihr Anteil an mir und wenn ihr füreinander da seid und einander dient.
Die Fußwaschung ist da ein deutliches Zeichen – als Jesus seinen Freunden die Füße wäscht. Nur wer dient, kann leiten.
Nur wer an Anderen Gutes tut, kann auch Verantwortung und Führung übernehmen. Für die Jünger, die Jesu Nachfolge angetreten sind und seine Botschaft verkünden, gilt das genauso wie für uns heute.
Das ist eine große Aufgabe, doch Jesus schenkt sich ihnen selbst. Er bleibt bei ihnen, teilt sich ihnen im wahrsten Sinne des Wortes mit: Das ist mein Leib, mein Blut… Tut dies zu meinem Gedächtnis. Das ist mehr als nur Erinnerung, es ist das Lebendighalten Jesu in uns. Er will nachwievor durch uns in der Welt sein und zu den Menschen kommen – egal wo, besonders im Alltag und in den Herausforderungen des Lebens.

Gebet:

Ein Brot, Herr, ist Brot zum Teilen,
und wer es nimmt, will besorgt sein um das Glück des Andern.
Liebe hat Ohren, auf den Nächsten zu hören;
hat Augen, um seine Not zu sehen;
hat Füße, um zu ihm hinzugehen;
hat Hände, um zu helfen.
Liebe hat ein Herz, das sich verschenken kann.
Friedrich Dietz

Zum Segen:

Brot und Wein
gehören zu unserem Leben und zu unserem Gottesdienst.
Brot und Wein – was bedeuten sie mir heute?
„Der Mensch lebt nicht allein vom Brot.“
Wir müssen neue Worte finden für Brot:
Das tägliche Brot ist für mich wie:
tägliche Arbeit – und keine Arbeitslosigkeit
tägliche Rücksicht – und keine Überheblichkeit
tägliche Treue – und keine faulen Kompromisse
tägliche Liebe – und keine Feindschaft.
Ohne Arbeit, Rücksicht, Treue, Liebe
schmeckt das tägliche Brot bitter
gibt es keine Gemeinschaft
gibt es kein Glück
gibt es keinen Frieden!
Wir müssen neue Worte finden für Wein:
Ein Glas Wein ist für mich wie:
eine bewährte Freundschaft – und kein „Hängenlassen“
ein fröhliches Fest – und keine plumpe Ausgelassenheit
ein Stückchen Nähe- und keine lähmende Distanz
etwas Verbindlichkeit – und keine Oberflächlichkeit.
Ohne Freundschaft, ohne Fest, ohne Nähe, ohne Verbindlichkeit
schmeckt der Wein sauer
ist der Alltag langweilig
ist man allein
geht einfach nichts.
Wenn Brot und Wein verwandelt werden, dann lass uns, Herr, neue Worte finden.
Verwandle auch uns und hilf uns, dass wir nicht nur neue Worte
suchen,
kreieren
und finden,
sondern dann hilf uns,
dass diese neuen Worte Gestalt annehmen
und Wirklichkeit werden.
(Peter Boekholt)

Impuls zur 3. Station: Kreuz und Tod Jesu

Dein Kreuz

Dein Kreuz – ist vielen Menschen bekannt
Dein Kreuz – ist voller Gegensätze
Dein Kreuz – zeigt mir die Grausamkeit der Menschen
Dein Kreuz – zeigt mir die große Not und die Verwundbarkeit der Menschen
Dein Kreuz – zeigt mir meine Schwächen und Endlichkeit
Dein Kreuz – lässt mich fragen „Warum?“
Dein Kreuz – bringt mich zum Zweifeln
Dein Kreuz – macht mich oft wütend und traurig
Dein Kreuz – Mein Kreuz?
Dein Kreuz – lässt mich dazwischen hängen zwischen Glauben und Zweifeln
Dein Kreuz – fordert mich heraus, still zu werden
Dein Kreuz – verlangt von mir, es auszuhalten
Dein Kreuz – zwingt mich, genauer hinzusehen
Dein Kreuz – mein Kreuz?
Dein Kreuz – ist mehr als ich sehen und begreifen kann
Dein Kreuz – überwindet alle Gegensätze
Dein Kreuz – versperrt den Blick und weitet ihn zugleich
Dein Kreuz – ist Hindernis und Lösung im Leben zugleich
Dein Kreuz – ist schwer und leicht zugleich
Dein Kreuz – ist voller sanfter Energie
Dein Kreuz – lässt zaghaft und doch voller Kraft neues Leben wachsen
Dein Kreuz – ist Quelle des Lebens
Dein Kreuz – ist Beziehung, ist Liebe
Dein Kreuz – zeigt mir Menschen, die daraus Kraft schöpfen
Dein Kreuz – zeigt mir Menschen, die sich für andere stark machen
Dein Kreuz – zeigt mir Menschen, die daraus Trost spenden
Dein Kreuz – Karfreitag UND Ostern
Dein Kreuz – Mein Kreuz?! 
(Andreas Greis)

Gebet:
Gott, du bist immer unter uns
Du willst nicht Not und Elend, sondern unbeschwerte Freude.
Du leidest mit jedem, der auf der Erde leidet.
Du nimmst jeden auf, der dir alle seine Lasten anvertraut,
so als würdest du uns überall, an jedem Ort,
im Haus eines Bruders empfangen.
Wer sich von dir aufnehmen lässt, erkennt mit seinem inneren Blick,
jenseits seiner eigenen Verwirrung,
einen Widerschein des verherrlichten Christus, des Auferstandenen.
Wenn das Erbarmen Jesu Christi in ihm durchscheint, lebt der Mensch jedes Mal von neuem auf.
Frère Roger Schütz

Ostern – aber ohne Karfreitag?

Ich will Leben – aber ohne Leid, Krankheit, Krieg und Tod
Ich will eine heile Welt – aber ohne Komfort einzubüßen
Ich will Ostern – aber ohne Karfreitag
Doch der Karfreitag ist da – das Kreuz steht sperrig im Weg
Leid im Kleinen wie im Großen – überall zu sehen
Schmerz und Trauer – spürbar und niederdrückend
Ich will nur noch wegschauen, weglaufen
komme kaum noch weiter
Karfreitag zwingt mich zum Anhalten: Stopp -Ende!
Wenn ich das Kreuz akzeptiere, sehe ich,
wie zaghaft das Licht von Ostern durchschient
Ostern braucht das Kreuz, um Durchscheinen zu können.
Ostern braucht das Kreuz, um sichtbar zu machen,
wie kostbar unser Leben ist.
Ich brauche diesen Schimmer von Ostern,
der das Kreuz durchdringt:
Um Kraft zu bekommen, zu glauben,
dass Leben hinter dem Kreuz existiert
Hier und jetzt – verstellt durchs Kreuz
Dahinter und dann – im vollen Glanz.
(Andreas Greis)

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